Unsere Jungs standen dem Pfälzischen Merkur Rede und Antwort. Unterhalb findet Ihr den gesamten Artikel...

Ein Jahr wie eine Achterbahnfahrt liegt hinter den Handballern der VT Zweibrücken-Saarpfalz – und dem Trainerduo Kai Schumann und Philip Wiese. Früher als geplant hatten sie im Januar 2020 das Amt bei dem Handball-Oberligisten übernommen, mit dem sie einen Neuanfang starten wollten. Dann kam Corona. Immer wieder bereitete sich die Mannschaft auf den Re-Start, den Saisonauftakt vor, immer wieder lief die Vorfreude ins Leere. Seit November ruht nun mittlerweile auch der Trainingsbetrieb. Die beiden Coaches erzählen, wie sie die vergangenen Monate erlebt haben, warum sie die geplante Aufstiegsrunde zur 3. Liga für fragwürdig halten und wie sie der kommenden Runde entgegenfiebern.

Herr Schumann, Herr Wiese, Sie sind offiziell seit fast anderthalb Jahren das Trainer-Duo der VT Zweibrücken-Saarpfalz. Die Pflichtspiele, die Sie bislang mit Ihrem Team bestreiten konnten, lassen sich aber an einer Hand abzählen. Das letzte fand vor über einem Jahr statt. Eine seltsame Situation? Wie war es für Sie, die neue Aufgabe angehen zu wollen – und kurz darauf kam Corona?

KAI SCHUMANN Natürlich ist das eine komische Situation, die vorher keiner so auf dem Plan hatte. Wir hatten natürlich ganz andere Vorstellungen, als wir die Mannschaft übernommen haben, aber dann kam Corona. Wir müssen jetzt aber mit der Situation umgehen und hoffen, dass es nächste Saison eine Besserung gibt, die uns einen Neustart ermöglicht.

PHILIP WIESE Für mich war es grundsätzlich eine völlig neue Herausforderung. Im Männerbereich habe ich bislang als Trainer nicht gearbeitet, sondern nur im Jugendbereich. Wir haben einen kompletten Neuanfang mit einer jungen Mannschaft gewagt, was ein sehr spannendes Projekt ist. Corona hat uns da einen Strich durch die Rechnung gemacht, was so in der Art niemand erwartet hat.

Seitdem gab es immer mal wieder Hoffnung auf einen „normalen“ Trainings- und Spielbetrieb. Doch die Pandemie hat dem immer wieder einen Strich durch die Rechnung gemacht. Fühlt man sich da manchmal, als würde einem die berühmte Karotte vor die Nase gehalten?

SCHUMANN Wir hatten Phasen, in denen wir normal trainiert haben, beispielsweise während der Vorbereitung im vergangenen Jahr. Die Mannschaft ist in dieser Phase gut zusammengewachsen. Es ist für uns ärgerlich, dass wir ohne ein einziges Rundenspiel absolviert zu haben seit November nichts machen können. Ebenso ärgerlich ist, dass es keinen richtigen Ausblick gibt, wann und wie es weitergehen wird. Bis dahin müssen wir uns noch ein paar Wochen Gedulden – und wenn es dann wieder soweit ist, werden wir dort einsteigen, wo wir aufgehört haben.
WIESE Es ist ein ständiges Hin und Her. Wenn ich an die jetzt abgebrochene Saison zurückdenke, war es ja wirklich so, dass wir eine mit Corona-Einschränkungen verbundene, aber weitestgehend normale Vorbereitung gemacht haben. Nachdem das erste Saisonspiel wegen des Stromausfalls in Zweibrücken verschoben werden musste, hätten wir drei Wochen Zeit gehabt bis zum nächsten Spiel – welches dann aber Corona zum Opfer fiel. Deswegen war es, gerade was den Aufbau der Spannung angeht, ein ständiges Auf und Ab für die Mannschaft.  

Wie sehr zehrt das ständige Hin- und Her, der Blick auf neue Verordnungen und Inzidenzen an den Nerven? Wie ist da die Stimmung in der Mannschaft?

SCHUMANN Für die Stimmung ist das nicht optimal. Sowohl auf den Sport bezogen, weil wir nicht das machen können, was wir gerne machen wollen. Aber es ist auch ein Thema, welches weit über den Handball hinausgeht und deswegen generell bei allen die Stimmung etwas runterdrückt. Aber auch das müssen wir einfach akzeptieren und jeder muss auf die eine oder andere Weise damit umgehen.
WIESE Jeder ist ein bisschen enttäuscht, dass man nicht spielen kann. Wir sind jetzt seit November komplett von der Mannschaft getrennt. Die Hallen sind zu. Wir müssen jetzt einfach abwarten, wann wir wieder in die Halle dürfen.

Die neue Saison soll am 5/6. September starten. Was macht Ihnen Hoffnung, dass eine normale Vorbereitung möglich sein wird?

SCHUMANN Ob das wirklich haltbar sein wird, über die Brücke würde ich noch nicht gehen. Ich könnte mir vorstellen, dass der Termin etwas zu früh gewählt ist. Derzeit ist auch geplant, dass wir mit einer vollen Staffel in die Runde gehen. Auch hier bin ich mir nicht sicher, ob es wirklich so kommen wird. Ich persönlich glaube, dass wir eine gewisse Vorbereitung haben müssen, um an diesem Termin wirklich starten zu können. Meiner Meinung nach bräuchten wir deswegen dieses Jahr mehr Zeit, gerade mit Blick auf die Verletzungsprofilaxe.
WIESE Meiner persönlichen Meinung nach ruht die Hoffnung auf dem Impfen. Hier muss es vorangehen. Ansonsten sehe ich es kritisch. Stand heute, halte ich es auch nicht für möglich – trotz vieler Testungen– in unserem Bereich zu spielen. Das einzige, was hilft, ist das Impfen.

Gibt es angesichts der gegenwärtigen Unsicherheit einen „Vorbereitungsfahrplan“, wann nach Möglichkeit wieder trainiert werden soll?

SCHUMANN Einen Fahrplan haben wir natürlich. Wir haben verschiedene Szenarien durchgesprochen. Letztendlich hängt es daran, wann das erste Training, egal in welcher Form, wieder möglich ist. Daran werden wir unseren Vorbereitungsfahrplan dann anpassen. Da aber genau das im Moment schwer zu prognostizieren ist, können wir nur mit verschiedenen Szenarien planen. Im Moment halten sich die Jungs individuell zuhause selbst fit. Wir machen da für den Moment relativ wenige Vorgaben.
WIESE Wir sind grundsätzlich für alles gerüstet. Die Hauptfrage ist: Wann dürfen wir?

Wie schwer ist es, eine Saison zu planen, die sich kaum planen lässt? Was sind dabei die größten Probleme?

SCHUMANN Planen kann man die nächste Saison eigentlich kaum. Größtes Hindernis ist, dass man noch nicht sicher sagen kann, wann es losgeht. Das nächste Problem ist, dass man natürlich derzeit keinerlei Trainings- oder Testspiele planen kann.

Gab es bereits eine Gelegenheit, mit der neuen Mannschaft zusammenzukommen. Damit sich das Team überhaupt kennenlernen kann? Wie hält man in Zeiten der Pandemie Kontakt?

SCHUMANN Die Mannschaft ist ja nicht mehr ganz neu, denn letztes Jahr hatten wir schon eine ganze Vorbereitung zusammen. Von daher kennt sich die Truppe und ist gefestigt, was sicherlich ein Vorteil ist. Kontakt halten wir über Einzelgespräche als auch gemeinschaftliche Videokonferenzen.
WIESE Und über WhatsApp. Wichtig ist uns hier einfach, ein Gefühl dafür zu bekommen, wie es den Jungs so geht.

Im Januar haben Sie Ihre Verträge bei der VTZ verlängert. Ein Vertrauensbeweis und ein Zeichen, dass es im Verein passt?

SCHUMANN Natürlich ist das ein Vertrauensbeweis, sonst hätten wir es nicht gemacht. Es ist auch ein Zeichen dafür, dass wir – bis zur Unterbrechung im November – gut zusammengearbeitet haben und es mit der Mannschaft, als auch dem Team drumherum, Spaß gemacht hat. Von daher war es für uns klar, dass es weitergehen wird. Das sieht man auch daran, dass der Kader bis auf eine Personalie, so zusammenbleibt. Wir fühlen uns deswegen in unserer Arbeit bestärkt.
WIESE Im Verein passt alles super. Wir haben ein cooles Team beisammen. Dadurch, dass Christina Fischer als Teammanagerin noch dazugekommen ist, konnten wir uns etwas breiter aufstellen. Wir ziehen alle an einem Strang, was sich in Pandemiezeiten aber schwerer gestaltet, alleine schon das Sponsoring betreffend. Aber ansonsten passt alles. Da wir leider noch kein Pflichtspiel bestreiten konnten, konnte sich auch der Verein noch kein Bild von der Mannschaft und unserer Arbeit machen. Deswegen bin ich aber auch ganz froh, dass wir noch eine Saison verlängern konnten.

Die VTZ hat sich – wie fast alle Oberligisten – nicht zur Aufstiegsrunde in die 3. Liga angemeldet. Was waren die Gründe?

SCHUMANN Das war für uns kein Thema. Einmal finanziell, aber auch grundsätzlich finde ich diese Aufstiegsrunde sportlich fragwürdig, denn es gab ja kaum Spiele. Zudem ist es auch so, dass es noch nicht Teil unserer Planung war. Wir hätten dieses Jahr ja auch nicht den Aufstieg als Ziel ausgegeben. Von daher war es für uns folgerichtig, nicht für die Aufstiegsrunde zu melden. Im Moment vermute ich auch, dass sie noch nicht mal stattfinden wird.
WIESE Wir konnten jetzt sehr lange nicht trainieren. Ich persönlich erachte das als sehr gefährlich, ohne ausreichende Vorbereitung in diese Aufstiegsrunde einzusteigen. Im ersten Schritt wollen wir aber auch erst mal sehen, wo unsere Mannschaft in der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar steht. Das kann man aber erst dann beurteilen, wenn man mal eine Saison gespielt hat.

Wie wichtig ist es, dass mit Tomas Kraucevicius und Yannic Klöckner zwei Spieler an Bord bleiben, die schon lange Jahre für die VTZ spielen. Welche Rolle kommt ihnen zu? Sportlich, aber auch, was die Integration der Neuzugänge angeht.   

SCHUMANN Beide Spieler haben ein gewisses Standing bei den Trainern, im Verein aber vor allem auch innerhalb der Mannschaft. Deswegen war es auch für die anderen Spieler ein wichtiges Signal, dass beide verlängert haben. Es sind zwei Führungsspieler, die durch ihre Erfahrung dafür geeignet sind handballerisch, als auch menschlich, gewisse Vorgaben zu machen und auch mal das Wort zu erheben.
WIESE Das sind zwei Spieler, die schon lange bei uns sind und im Trainerteam aber auch in der Mannschaft Gehör finden. Deswegen sind sie für uns nicht nur auf dem Platz wichtig, wo sie unbestritten zu den besten auf ihrer Position zählen. Auch menschlich passt das super und wir sind absolut froh, dass sie auch weiterhin bei uns bleiben.

Wie weit sind die Kaderplanungen fortgeschritten? Auf welchen Positionen sehen Sie noch Handlungsbedarf?

SCHUMANN Der bisherige Kader hat nahezu komplett verlängert. Nur eine Personalie ist aus persönlichen Gründen noch offen. Wir sehen am Kreis noch Nachholbedarf für eine Verstärkung zu Julian Kreis. Auf der Linkshänderposition würden wir, falls sich noch was ergibt, etwas machen. Das sind aber Dinge, die kein unbedingtes Muss sind.
WIESE Die Kaderplanung ist weit fortgeschritten. Wir halten aber auch weiterhin Augen und Ohren offen nach weiteren Neuzugängen.

Wie gravierend wirkt sich die Pandemie auf die Nachwuchsarbeit des Vereins aus? Im Hinblick auf die sportliche Entwicklung, aber auch das Interesse der Kids, wenn Sie über eine so lange Zeit nicht trainieren dürfen?

SCHUMANN Das ist das fast noch schlimmere Thema. Ich habe das Gefühl, dass den Kindern der Sport als Ausgleich zum derzeitigen Stress extrem fehlt. Wichtig wäre jetzt mal ein Training, ein Ausgleich, ein Gruppenerlebnis. Das ist sehr schade, dass das den Kindern im Moment fehlt und ich glaube, dass die negativen Auswirkungen dessen derzeit spürbar sind. Wir hoffen, dass das schnell besser wird. Wir hatten in den letzten Wochen ein paar Mal das Jugendtraining angeboten, was auch direkt super angenommen wurde. Zurzeit ist das aber leider wieder nicht möglich.
WIESE Für die Jugend ist es derzeit am schlimmsten. Erwachsene können besser mit der Pandemie umgehen. Für Jugendliche ist es sehr schwer, weil sie überall auf Einschränkungen treffen. Wir hatten angefangen draußen unter Einhaltung der Verordnungen und der Hygienevorschriften zu trainieren, was zwar sehr gut ankam, aber dennoch nicht ganz das Wahre ist. Wir wollen gerne wieder schnellstmöglich Handball in der Halle spielen und hoffen, dass das bald wieder geht.

Was ist Ihr ganz persönliches Ersatzprogramm für die lange Zwangspause? Wie verbringen Sie die frei gewordene Zeit?

SCHUMANN Man hat natürlich jetzt neue Herausforderungen wie Homeschooling oder den Wechselbetrieb mit den eigenen Kindern. Ich persönlich habe die Zeit für zwei Fortbildungen im Handball genutzt. Auf der einen Seite freut man sich über das Mehr an Freizeit und, dass nicht jeder Tag vollkommen verplant und durchgetaktet ist, aber auf der anderen Seite vermisst man auch die Gemeinschaft und den Sport. Deswegen darf der Aufwand langsam gerne wieder etwas zunehmen.
WIESE Ich habe die Zeit genutzt, um wieder mehr Tennis zu spielen und mich sonst körperlich fit zu halten. Ansonsten verbringt man natürlich viel Zeit mit der Familie.

Trotz der schweren Situation: Herrscht schon ein wenig Vorfreude auf die neue Saison?

SCHUMANN Natürlich freut man sich auf die nächste Saison. Man fühlt sich fast wie ein Sprinter, der im Startblock steht und sich darauf freut, dass es endlich losgeht. Ein bisschen Geduld brauchen wir aber noch – und die werden wir haben. Wenn es dann wieder losgeht, werden wir wieder mit viel Freude zu Werke gehen.
WIESE Vorfreude ist ganz klar da. Wenn keine da wäre, wären wir wohl am falschen Platz. Allerdings ist die Vorfreude ein wenig getrübt, weil wir zum jetzigen Zeitpunkt gar nicht wissen, wann wir überhaupt wieder trainieren können, vor allem so, dass es auch Handball ist – sprich, nicht im Freien, sondern wieder in unserer Halle. Das ist diese Ungewissheit, die einfach nervt.

 

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